Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Helmut Grüning

Viele Menschen ängstigen sich heute um unsere Zukunft, ja manche sehen in den Umweltveränderungen
apokalyptische Zeichen der Endzeit oder des Weltuntergangs.
Manche Christen deuten sie als Vorboten der Wiederkunft Christi.
Dabei trägt jeder Mensch und die Menschheit insgesamt mit dem biblischen Auftrag,
über die Erde zu herrschen, auch Verantwortung für die Umwelt, weil sie Gottes Schöpfung ist.

Prof. Dr.-Ing. Helmut Grüning ist als Wasserwirtschaftsingenieur seit vielen Jahren mit
Umweltfragen beschäftigt und konnte in seinem Vortrag einige der sehr vielfältigen Umweltprobleme ausführlich darstellen.

    

Die Wasserqualität (des Trinkwassers als auch in unseren Flüssen und Seen) hat sich in Deutschland
in den letzten Jahrzehnten aufgrund der gesetzlichen Vorgaben und den umfangreichen technischen
Anstrengungen deutlich verbessert. Die moderne Analysentechnik ermöglicht es heutzutage,
viele Schadstoffe noch in Konzentrationen zu bestimmen, die als unbedenklich gelten können.
Andererseits sind inzwischen auch Substanzen nachweisbar, über deren Gefährdungspotential
bisher noch wenig bekannt ist. Diese hohe Qualität wird in anderen Ländern oft noch nicht erreicht.
Insbesondere nimmt die Belastung der Ozeane mit Schadstoffen ständig zu.

 

  

Wir brauchen einerseits einwandfreies Trinkwasser (in Deutschland ist es das bestüberwachte Lebensmittel),
andererseits akzeptieren wir, dass manchmal Abwässer direkt in Gewässer eingeleitet werden,
wenn die Kanalisation bei stärkeren Regenereignissen hydraulisch überlastet ist.
Schwer abbaubare Stoffe (insbesondere manche Medikamente) müssen künftig noch besser aus dem Wasserkreislauf
durch eine weitere Reinigungsstufe entfernt werden. In Deutschland ist es übrigens nicht generell sinnvoll,
Wasser zu sparen, weil sich in Abwasserkanäle Ablagerungen bilden, die zu Gerüchen
und Materialzerstörung führen können und weil Trinkwasser in den Leitungen nicht stagnieren soll,
sondern fließen muss. In Ländern mit Wasserknappheit aber sollte Wasser bei Produktionszwecken nicht verschwendet werden.
Die Abbaugeschwindigkeit unseres Abfalls ist sehr unterschiedlich, insbesondere werden Kunststoffe
teilweise erst innerhalb von Jahrhunderten langsam abgebaut. Sie gehören also keineswegs in Gewässer;
sie gelangen sonst in die Nahrungskette mit zunehmend dramatischen Folgen.

Klimaveränderungen lassen sich erst über lange Zeiträume durch statistische Wetterbeobachtungen erfassen.
Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Klimaschwankungen; die Ursachen hierfür waren aber weitgehend
unabhängig von den Menschen. Erst seit einigen Jahrhunderten und erst recht seit dem letzten Jahrhundert
nimmt der Einfluss der menschlichen Aktivitäten auf das Klima zu. Dabei spielt vor allem die Zunahme des
CO2-Ausstoßes durch Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas eine entscheidende Rolle.
Auch die für unsere modernen Häuser notwendige Zementherstellung trägt erheblich dazu bei.
Methan oder Lachgas sind als Treibhausgase noch wirksamer, allerdings nur in geringeren Konzentrationen
in der Atmosphäre vorhanden. Dass sich glücklicherweise das durch die FCKW entstandene Ozonloch wieder schließt,
ist vermutlich auf das rechtzeitige Verbot dieser Stoffe zurückzuführen.

Mathematische Modellrechnungen von Wetter und Klima sind nur begrenzt möglich, weil sie sehr komplex
sind und die notwendigen Daten teilweise nicht oder unzureichend bekannt sind. Die Genauigkeit solcher
Prognosen wird von vielen Einzelfaktoren und den Ausgangs- und Randbedingungen beeinflusst.
Fragen wie „Werden die Eismassen der Erde abschmelzen?“ oder „Wird es häufiger zu extremen Wettersituationen kommen?“
sind zwar generell wohl zu bejahen, aber nur schwierig exakt zu beantworten.
Naturwissenschaftliche Methoden lassen zwar analytisch und logisch die Zusammenhänge erforschen
und auch die verschiedene zukünftige Szenarien beschreiben; aber sie können keinesfalls Aussagen zu Gott
und seinem Wirken machen, weil das den naturwissenschaftlichen Horizont überschreiten würde.

Wir müssen sowieso klar zwischen Wissen und Glaube unterscheiden:
Wissen muss nicht geglaubt werden - Glaube ist erforderlich, wo man etwas nicht weiß.
Beide Bereiche ergänzen sich, beide Bereiche unterliegen aber auch Fortentwicklungen
und Veränderungen durch neue Erkenntnisse. Christlicher Glaube ist bedingungsloses Vertrauen.

Bibelzitate dürfen nicht zur Berechnung der Endzeit missbraucht werden. Sie ermahnen uns vielmehr,
stets wachsam zu sein. Unsere Schöpfungsverantwortung beschreibt auch schon Martin Luther:
„Wenn ich wüsste, dass morgen der Herr kommt, pflanzte ich heute noch ein Apfelbäumchen.“
…das wäre auch gut für die Umwelt!